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«Wo Gott mich haben will»

Zwischen verrosteten Einbrecherstangen und Glauben

Sie zog aus Kapstadts blühenden Vorstädten in die Banden- und Drogenwelt von Manenberg: Sarah Portal. Dort investiert sie sich in die traumatisierte Jugend eines von der früheren Apartheid-Regierung aufgebauten Trennungsbezirks.

Sarah Portal
Quelle: joynews.co.za
Hochzeitsfoto von Sarah und Pete
Quelle: joynews.co.za

Sarah Portal (31) studierte an der südafrikanischen Universität Stellenbosch internationale Beziehungen und Französisch. Ihr Leben schien einem geordneten Plan zu folgen. «Nachdem ich mit Strassenkindern im Senegal und mit Kindersoldaten in Uganda gearbeitet hatte, wollte ich unbedingt für Jugendliche in Zentralafrika da sein.» Ausserdem plante sie, in Übersee zu studieren.

«Im letzten Jahr meines Studiums besuchte ich die Geburtstagsfeier meines besten Freundes.» Ein Unbekannter gesellte sich zu ihr und rasch drehte sich das Gespräch um Südafrikas fremdenfeindliche Übergriffe, Gangstertum, die Coltan-Problematik im Kongo. «Er hiess Pete und seine Leidenschaften entsprachen in vielerlei Hinsicht meinen. Er war Brite und hatte sich bei einem früheren Besuch in die Menschen Südafrikas verliebt. Nun war er hierher gezogen, um zu versuchen, für Menschen, die in der Dunkelheit leben, Teil des Lichtes und der Hoffnung zu werden, die er in Jesus und der Bibel fand.»

Er gehörte nicht zum Zehn-Jahres-Plan

Pete lebte seit sechs Monaten in Manenberg. Er überlegte, wieder zu gehen. Doch wenn Gott ihm helfen würde, eine Frau zu finden, würde er bleiben. «Ich glaube, es war uns beiden schon damals klar, dass dieses Treffen bedeutsam war.»

Unbeholfen fragte Pete nach ihrer Nummer mit der Aussicht, einfach mal einen Kaffee trinken zu gehen. «Ich hatte im Kern meines Wesens das Gefühl, dass ich die Person getroffen hatte, die ich heiraten würde. Nur gehörte das nicht zu meinem Zehn-Jahres-Plan.» Denn Sarah hatte grosse Träume.

Doch alles kam anders. «Zwei Monate später wurde bei meiner Mutter Krebs im Endstadium diagnostiziert und die Zeit war begrenzt.» Plötzlich lagen Sarahs Pläne auf Eis. Bereits kaufte sie das Kleid, in dem sie Pete eines Tages heiraten wollte, damit ihre Mutter es noch sehen konnte. «Die Zeit war bittersüss, aber ein wertvolles Geschenk.»

«Er starb auf den Stufen des Krankenhauses»

Bald besuchte Sarah den übel beleumdeten 53'000-Seelen-Stadtteil Manenberg. Dieser Bezirk in Kapstadt wurde vor 50 Jahren unter dem Apartheid-Regime für Menschen gegründet, die das Regime als «nicht-weiss» deklarierte und gewaltsam aus ihren bisherigen Gemeinden entfernte.

Manenberg brachte desillusionierte und traumatisierte junge Menschen hervor, die leichte Beute für Gangstertum und Drogenmissbrauch sind.

Sarah hatte Angst vor dieser Gegend. «Als ich noch klein war, wurden zwei Menschen, die ich kannte, bei verschiedenen Gelegenheiten dort getötet. Und später wurde der Sohn eines Freundes meiner Mutter dort von Banden brutal geschlagen. Die Mitarbeiter im Krankenhaus hatten zu viel Angst vor Repressalien durch Bandenmitglieder, um ihn hereinzulassen. Er starb auf den Stufen des Krankenhauses.»

Gottes Herz spüren

Sarah wurde Teil der Organisation «Fusion Community Trust», für die auch Pete arbeitete. Sie will jungen Menschen helfen, von Gangstertum und Drogen loszukommen. «Als ich die jungen Leute dort kennenlernte, begann ich, Gottes Herz für diese Gemeinschaft zu spüren und die Angst zu überwinden.»

Die beiden heirateten 2012. Am King's College in London studierte Pete Theologie und Sarah Kriegswissenschaft, «damit wollten wir uns besser ausrüsten, um den Gemeinden, in denen wir leben wollten, besser dienen zu können».

Die beiden erkannten, dass das Trauma-Niveau bei den Menschen in Manenberg so hoch ist, dass eine stationäre Betreuung nötig war. «Sie brauchten rund um die Uhr Unterstützung, um die Chance zu haben, zu heilen und eine andere Zukunft zu wählen.»

«Kein Zurück mehr»

Die beiden kratzten alles Geld zusammen, um ein Haus zu kaufen, in welches sie junge Menschen aufnehmen wollten, die ihr Leben verändern möchten. Die ersten kamen. «Doch innerhalb der ersten zwölf Stunden gab es Streit, ein körperlicher Kampf brach aus, und jemand lief weg. Die Realität stellte sich schnell ein, und uns wurde klar, wie schwer das werden würde, und auch, dass es jetzt kein Zurück mehr gab.»

In den nächsten Monaten folgten viele Tränen, wenn wieder Leute ausrissen. «Ich fühlte mich als Versagerin und war mir sicher, dass Gott die falsche Person gewählt hatte.»

Andere Definition von Erfolg

Alles war darauf ausgerichtet, den Jungs zu einem gesunden Lebensrhythmus in der Gemeinschaft zu verhelfen. «Wir nannten das Haus Cru62, benannt nach den Erlösungsversprechen in Jesaja Kapitel 62, da es den Jungs helfen sollte, mit Sucht und gewalttätigen Lebenserfahrungen umzugehen und ihre Identität wiederzuentdecken.»

Doch die Arbeit festigte sich. Die Jungs haben jeweils einen Mentor, folgen dem 12-Schritte-Programm, tauschen ihre Geschichten aus, machen Holzarbeiten, Gymnastik, besuchen Suchthilfegruppen und erfahren innere Heilung.

In den ersten beiden Jahren sei die Definition von Erfolg falsch gewesen. «Ich glaube, ich spürte den Druck, klare Heilung zu erleben. Später fühlte ich, wie Gott mir sagte, dass er mich nur dazu berief, mein Haus zu öffnen, damit Menschen geliebt werden können, und dass er den Rest tun würde. Das war eine gewaltige Lektion, aber mit der Zeit brachte sie mir viel Freiheit und Freude, da ich den Versuch losliess, zu kontrollieren, was nur Gott tun konnte, und mich darauf konzentrierte, das zu tun, wozu er mich ausgerüstet hatte.»

«Gott kennt Verlust»

Sarah Portal erklärt: «Gott selbst kennt grossen Verlust und er kann in unserem Leid mitfühlen. Wir sehen in diesem Leben Zeichen und Wunder, aber auch Tod und Leid. Ich glaube, dass Gott mich durch den Schmerz zu einem tieferen Glauben geführt hat.»

Im Laufe der Zeit gewannen die beiden an Erfahrung. «Die Geschichten von Hoffnung und Heilung, die sich im Haus ereignet haben, haben das Selbstvertrauen der Menschen wachsen lassen. Die Zahl der Ausreisser ist zurückgegangen. Wir sind jetzt im sechsten Jahr, in dem wir das Haus leiten, und endlich haben wir das Gefühl, dass wir auf eigenen Füssen stehen.»

Schüsse in der Nähe des Hauses

Zu den schwierigen Ereignissen gehörte, als eines Tages in der Nähe des Hauses Schüsse fielen. «Das war ungewöhnlich, da unsere Strasse als neutrales Territorium gilt. Eine Familie auf der anderen Strassenseite hatte vier Kinder, und wir wussten, dass die Eltern bei der Arbeit waren. Also ging ich hinüber, um nach den Kids zu sehen. Ich blieb bei ihnen, bis die Eltern nach Hause kamen.»

Am nächsten Tag brachten sie Sarah und Pete zwei Tüten mit Lebensmitteln, darunter auch Fleisch, ein Akt der Grosszügigkeit einer Familie, die selbst nicht viel hatte. «Pete und ich hatten nicht viel Geld und wir waren nicht sicher gewesen, wie wir die Woche überstehen sollten. Die Freundlichkeit von Menschen, die nicht viel haben, und der Grad der Freude sind nicht Dinge, die die Nachrichten einfangen. Aber es gibt sie. Inmitten von Schmerz, Leid und Gewalt, verrosteten Einbrecherstangen und mit Müll gefüllten Strassen finden sich Menschen mit Glauben und Humor. Ich bin da, wo Gott mich haben will.»

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