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Dramatische Entwicklung

Landeskirchen schrumpfen unaufhaltsam

Die beiden grossen Kirchen in Deutschland verloren im letzten Jahr besonders viele Mitglieder. Hauptgrund ist der Missbrauchskandal.

Mann in leerer Kirche
Quelle: unsplash.com (bearbeitet)

Weit über 400'000 verliessen 2018 die katholische oder eine der evangelischen Landeskirchen. 216'000 Menschen weniger waren es bei der katholischen und 220'000 weniger bei den evangelischen Landeskirchen, die zur «Evangelischen Kirche in Deutschland» (EKD) gehören. Während bei den Protestanten der Zuwachs der Austritte «nur» bei 11,6 Prozent liegt, waren es bei den Katholiken über 30 Prozent mehr, es waren 48'500 mehr Austritte als 2017.

Christen auf dem Weg zur Minderheit

So gibt es zurzeit 23 Millionen katholische und 21 Millionen protestantische Kirchenmitglieder. Insgesamt gehört damit also noch etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung zu einer der beiden grossen Kirchen, auch wenn die Unterschiede zwischen Ost und West sowie Stadt und Land gross sind. Bemerkenswert ist nicht, dass viele Menschen im Jahr 2018 austraten, dies entspricht langanhaltenden Trend. Erstaunlich ist vielmehr die starke Zunahme der Austrittszahlen.

Bei anhaltender Entwicklung werden 2035 nur noch 34,8 Millionen Menschen einer der beiden Kirchen angehören, 2060 sogar nur noch 22,7 Millionen, also in etwa die Hälfte der heutigen Mitgliederzahlen.

Weniger Mitglieder, aber mehr Geld

Studien zeigen die Hauptgründe für den Entschluss aus der Kirche auszutreten: die Kirchensteuer, Glaubenszweifel, eine Entfremdung von der Kirche beziehungsweise keine Bindung an sie, ein persönlich enttäuschendes Erlebnis, die rückständige Haltung der Kirche zu verschiedenen Fragen und Skandale in der Kirche. Hier ist vor allem der Missbrauchskandal zu nennen, der nicht nur die katholische Kirche, sondern alle Kirchen sehr viel Vertrauen gekostet hat und der entscheidend sein dürfte für die hohen Austrittszahlen im Jahr 2018.

Während die Zahl der Kirchenmitglieder stetig abnimmt, gab es in den letzten Jahren eine stetige Verbesserung der Kirchensteuereinnahmen. 2018 ist sie bei den evangelischen Landeskirchen auf 5,70 Milliarden Euro gestiegen gegenüber 5,67 Milliarden im Jahr 2017. Das hat mit der guten wirtschaftlichen Lage zu tun, denn die Kirchensteuer wird nach der Lohnsteuer berechnet.

Gleiche Entwicklung in der Schweiz

Auch in der Schweiz liegt die Zahlen der Austritte aus der katholischen Kirche und der reformierten Kirche sehr hoch. In allen Kantonen gibt es deutlich mehr Austritte, ausser in Nidwalden. 37 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung gehört zur katholischen Kirche. Nicht ganz 25 Prozent gehören zur Reformierten Kirche.

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