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SRF-«Reporter Spezial»

Bewegender Einblick in das Leben mit behinderten Kindern

Das «Reporter»-Team von SRF schuf in diesem Sommer eine Serie, welche besonders im ersten Teil zum Anfang des Lebens augenöffnende Momente gewährte. Sehr behutsam stellt Moderatorin Mona Vetsch drei Familien und ihr Schicksal vor. Eine Empfehlung von Florian Wüthrich.

Olga Vonmoos mit ihrem Sohn Janusch und Vater Michael Jappert
Quelle: www.bluewin.ch
Nicole Janouschek mit ihrer Tochter Jara
Quelle: www.bluewin.ch
Olga Vonmoos mit ihrem Sohn Janusch
Quelle: www.bluewin.ch

95% der Eltern, die in der Schweiz eine Trisomie 21-Diagnose erhalten, entscheiden sich für eine Abtreibung. In der Sendung «Leben mit einem behinderten Kind oder Schwangerschaftsabbruch?» geht es genau um Fragen wie vorgeburtliche Diagnostik, Behinderung und Schwangerschaftsabbruch. Doch weit gefehlt, wer denkt, diese Dokumentation sei nur was für Eltern oder angehende Eltern. Diese 60 Minuten Einblick in drei Familien und ihr Schicksal lassen niemanden kalt. Für mich war es ein TV-Highlight dieses Sommers!

«Um nichts in der Welt möchte ich das zusätzliche Chromosom wieder hergeben»

Zuerst lernt der Zuschauer Olga Vonmoos und Michael Jappert kennen. Die beiden hatten während der Schwangerschaft keinen Anlass zur Sorge. Knapp zwei Jahre nach dem ersten Kind erwarteten die jungen Eltern ihr zweites. Kurz nach der Geburt stellte sich heraus: Janusch hat das Downsyndrom. Wegen eines Darmverschlusses verbrachte er den ersten Lebensmonat auf der Intensivstation – ein Kampf zwischen Leben und Tod. Heute geht es ihm gut, aber Arztbesuche und aufwändige Therapien bleiben ein grosses Thema. Und trotzdem: «Um nichts in der Welt möchte ich das zusätzliche Chromosom wieder hergeben», sagt Olga Vonmoos. Dank Janusch lache sie mehr als zuvor. «Sein Lachen ist so ansteckend!»

Die Trisomie 21 hätte mit pränataler Diagnostik festgestellt werden können. Doch die Mutter von Janusch ist froh, dass sie darauf verzichtet haben: «Eine Untersuchung während der Schwangerschaft hätte mich wahnsinnig verunsichert. Es wäre nicht gut gewesen, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass mein Kind das Downsyndrom hat. Da hätte ich mir unnötig Bilder gemacht und hätte es mir ja doch nicht ganz vorstellen können.»

Schwangerschaftsabbruch und der Umgang mit der Trauer

Anders Vera und Oliver Sigrist: Sie entschieden sich für eine pränatale Untersuchung und erfuhren dabei, dass ihr Baby nicht überlebensfähig wäre. Die Eltern entschieden sich für einen Schwangerschaftsabbruch. Sie schildern SRF-Moderatorin Mona Vetsch in der Sendung, wie die früh eingeleitete Geburt unter diesen schwierigen Umständen verlief, und wie sie dank professioneller Unterstützung lernten, mit der Trauer umzugehen. Schwierig sei für sie gewesen, so Vera Sigrist, dass sie «die ganzen Hormone und die ganze Mutterliebe gespürt habe, aber kein Kind in den Armen halten konnte». Das sei für sie schlimm gewesen.

Anna Margareta Neff, Hebamme und Leiterin der Fachstelle kindsverlust.ch, erzählt von ihren Erfahrungen als Trauerbegleiterin. «Es gibt kein Weiterleben ohne Kind», so die Fachfrau. Es bringe also nichts, das Ganze mit der Abtreibung verdrängen oder auf die Seite schieben zu wollen. Man müsse einen Weg finden, damit umzugehen: «Es gibt nur ein Weiterleben mit einem verstorbenen Kind, mit einem allenfalls behinderten Kind oder mit einem Kind, das allenfalls bei der Geburt oder kurz danach sterben wird.»

Der Wunsch einer Mutter, dass ihr Kind für immer einschlafen kann

Die dritte Familie, die bei «Reporter Spezial» vorgestellt wird, ist die Familie Janouschek. Nicole und Jan Janouschek erwarteten eineiige Zwillinge. Die Hochrisikoschwangerschaft verlief – vermeintlich – problemlos. Nach der Geburt stellte sich aber heraus, dass Jaël zwar kerngesund, ihre Schwester Jara aber schwerstbehindert ist. Die Ärzte gaben ihr nur wenige Tage, aber Jara kämpfte und überlebte. Trotzdem fragen sich die Eltern jeden Tag, ob das Leben des kleinen Mädchens lebenswert ist. Heftige Muskelschmerzen, Krämpfe, Entzündungen und immer wieder Operationen gehören zum Alltag. Im Gespräch mit Mona Vetsch erzählt Nicole Janouschek, dass sie sich manchmal wünscht, Jara könne auf einem Spaziergang einfach für immer einschlafen.

Auch hier fand Mona Vetsch als Moderatorin einen Weg, offen und doch sensibel nach den Gefühlen und Gedanken zu fragen, die Nicole Janouschek beschäftigen. Vetsch, die selbst auch Mutter ist, erklärte denn auch im Interview mit «Bluewin», dass ihr diese Geschichten sehr nahe gegangen seien.

Die SRF Doku im Video

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