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Wie gehe ich damit um?

Das Geschäft mit der Angst

Sorgen sind eine schwache Form von Angst. Das jährliche Sorgenbarometer bildet daher ab, was viele Menschen in der Schweiz befürchten bzw. wovor sie latent Angst haben. Die grössten Sorgen des Jahres 2018 betrafen die Themen Geld, Gesundheit/Krankenkasse, Ausländer/Asylanten und Umweltschutz.

Ängstliche Frau
Quelle: bigstock

Die Bewirtschaftung von Sorgen und Ängsten machen sich nicht nur Versicherungen zunutze, sondern auch politische Parteien. Am 20. Oktober finden in der Schweiz National- und Ständeratswahlen statt. Auch wenn der Wahlkampf hierzulande wesentlich gesitteter abläuft als in anderen Ländern, so will doch jede politische Partei möglichst viele Stimmen für sich gewinnen. Ein bewährtes Mittel dazu ist die Bewirtschaftung von Sorgen und Ängsten. Dazu greift man gezielt bzw. einseitig auf Fakten zurück und spricht vor allem Emotionen an. Es ist erstaunlich, wie wirksam sich Menschen durch die Aktivierung von Emotionen, insbesondere von Angst, mobilisieren lassen.

Ängstlichkeit ist genetisch und situationsbedingt

Menschen neigen in unterschiedlichem Ausmass zu Ängstlichkeit. Ein weltweit verbreitetes Persönlichkeitsmodell ist das der sogenannten «Big Five». Darin geht es um fünf verschiedene Persönlichkeitsdimensionen, in denen sich Menschen unterscheiden: Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für neue Erfahrungen. Menschen mit hohen Ausprägungen in Neurotizismus neigen verstärkt zu Ängstlichkeit und zu negativen Gefühlen, sie leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen und sind leicht verletzbar bzw. reizbar. Sie sind labiler als Menschen mit niedrigen Ausprägungen in Neurotizismus. Solche Neigungen sind zu einem erheblichen Teil erblich bedingt, manche Wissenschaftler schätzen den genetischen Einfluss auf rund 50 Prozent.

Ängstlichkeit kann sich auf verschiedene Bereiche beziehen:

  • Ängstlichkeit in sozialen Situationen (z.B. im Umgang mit Menschen, die einem überlegen scheinen, oder vor einem Auftritt);
  • Ängstlichkeit bei physischer Bedrohung (z.B. vor einer möglichen Verletzung oder einem drohenden Schaden);
  • Ängstlichkeit in ungewissen, schlecht einschätzbaren Situationen (z.B. wenn man Entscheidungen mit langfristigen finanziellen Konsequenzen treffen muss).

Ängstlichkeit betrifft nicht immer alle drei Bereiche. Ob und wie stark Angst bei einer Einzelperson ausgelöst wird, hängt wesentlich von der aktuellen Situation ab. Wenn in der Öffentlichkeit Ängste gezielt gefördert werden, dann ist das kritisch zu bewerten. Spätestens wenn einseitig mit Fakten umgegangen wird und Ängste quasi eine emotionale Eigendynamik entwickeln, dann ist der Manipulation Tür und Tor geöffnet.

Sinnvoller Umgang mit Ängstlichkeit

Es gibt in der menschlichen Seele keinen Schalter, mit dem man Angst abschalten kann. Trotzdem sind auch ängstliche Menschen ihren Ängsten nicht einfach ausgeliefert, solange diese nicht krankhafte Ausmasse erreichen. In einem ersten Schritt ist es hilfreich, sich der eigenen und vielleicht erhöhten Neigung zu Ängstlichkeit bewusst zu werden. In einer konkreten bedrohlichen Situation geht es darum, den externen Auslöser der eigenen Angst zu erkennen. Dann wird die Angst dem Verstand zugänglich und die Ursache der Angst kann rational überprüft werden. Gelingt es dadurch nicht, mit der entstandenen Angst sinnvoll umzugehen, ist das Gespräch mit Gott oder einer gelasseneren Person hilfreich. Sie kann zu einer Aussenperspektive verhelfen und dadurch die ängstlichen Gefühle auf ein gesundes Mass reduzieren.

Ängste sind ein nützliches Warnsystem, wenn sie reale Gefahren anzeigen. Ist das Warnsystem aber «falsch eingestellt» oder wird es missbraucht, sind oft ungünstige Entscheidungen die Folge. Werden Ängste von aussen gezielt geschürt, werden sie zu einem Instrument der Manipulation. Jedoch besteht einerseits auch die Möglichkeit, Gott zu bitten, dass er uns von all diesen Manipulationen schützen möge, und anderseits können wir die Waffenrüstung Gottes anziehen (Epheser Kapitel 6, Verse 10-20).

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