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Im Gerichtssaal

Starke Geste der Versöhnung

Der Sohn einer im KZ inhaftierten Jüdin nahm den früheren KZ-Wächter seiner Mutter in den Arm.

Moshe Peter Loth
Quelle: Screenshot Youtube

Im laufenden KZ-Prozess in Hamburg setzte der Amerikaner Moshe Peter Loth ein Zeichen der Versöhnung und umarmte den angeklagten, 93-jährigen früheren KZ-Wärter. Loth nahm als Zeuge und Nebenkläger an dem Prozess teil. Dies berichtet der Norddeutsche Rundfunk NDR.

Der frühere KZ-Wachmann ist wegen der Beihilfe zum Mord an 5'239 Häftlingen angeklagt. Wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes nimmt er im Rollstuhl an dem Verfahren teil.

Emotionale Begegnung im Gerichtssaal

An die Prozesszuschauer im Saal gerichtet, sagte der Amerikaner: «Passen sie alle auf: Ich werde ihm vergeben.» Dann umarmten sich die beiden Männer im Gerichtssaal. Der 76-jährige Loth sagte später, die beiden Männer hätten nach der Verhandlung geweint, so die Informationen des NDR.

Moshe Peter Loth erklärte, dass er gegenüber dem Angeklagten keinen Hass empfinde. Er wisse nicht, was er getan habe. Nach der versöhnenden Umarmung sagte er: «Jetzt bin ich frei!», wie die Tageszeitung Die Welt berichtet.

Der Opfer-Zeuge bittet um Vergebung

Nach der Aussage von Loth gab es keine weiteren Fragen an ihn. Die vorsitzende Richterin erlaubte stattdessen dem Zeugen, Fragen an den Angeklagten zu richten. Der angeklagte KZ-Wachmann machte deutlich, dass er damals keine Möglichkeit gehabt habe, etwas gegen das Leid zu tun, so Die Welt in ihrem Bericht.

Danach fragte ihn der Zeuge, ob der Wächter bereit sei, ihm den Hass und die Wut zu vergeben, die er auf Deutsche gehabt habe.

Geburt in Gefangenschaft

Moshe Peter Loth lebt heute in Florida. Seine Mutter wurde Anfang März 1943 inhaftiert, als sie mit ihm im dritten Monat schwanger war. Sie brachte den Jungen in Gefangenschaft zur Welt. Danach seien beide ins KZ Stutthof (bei Danzig) gebracht worden. Bei Kriegsende wurden Mutter und Kind getrennt.

Moshe Peter Loth wuchs dann in Polen auf. Als Jugendlicher wanderte er in die USA aus. Erst Ende der 1950er Jahre fand er seine Mutter wieder. «Als Kind wusste ich gar nicht, wer ich bin», berichtete er.

Noch 29 Verfahren, aber wohl kein Prozess mehr

Es wird erwartet, dass der KZ-Prozess in Hamburg der letzte in Deutschland sein wird. Es laufen nach Recherchen des NDR zwar noch 29 Verfahren, aber mit einer Verhandlung sei wegen des hohen Alters der Beschuldigten nicht mehr zu rechnen.

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