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«Theolügen» entlarven

Können echte Christen an Corona sterben?

Im Moment kursieren sie wieder: die Versprechen, dass man, wenn man nur richtig glaubt, nicht an Corona stirbt. Verspricht die Bibel nicht, dass uns «kein Böses treffen wird»? Viele Christen sind innerlich im Konflikt.

Friedhof
Quelle: Pixabay

Die gegenwärtige Krise hat ein Gutes: Sie fordert Christen unerbittlich heraus, ihre Glaubensgrundlagen zu durchdenken (Zeit genug haben wir ja dafür, oder?). Wie ist das: Wenn man so richtig an Gott glaubt, geht dann Corona an unserem Haus vorbei, so etwa wie der Würgeengel beim Auszug aus Ägypten? Verspricht die Bibel nicht, dass uns «kein Böses treffen wird»? Wie verhält sich unser Glaube zur Tatsache, dass eben doch schon überzeugte und gläubige Christen an Corona gestorben sind?

«Wenn auch zehntausend fallen»

Besonders beliebt und wahrscheinlich am häufigsten zitiert ist der Psalm 91 (bitte mal lesen). Der Psalm scheint zunächst der Fraktion recht zu geben, die lehrt: «Wenn du nur richtig glaubst, dann wirst du nicht krank.» Und es ist festzuhalten: Gott hat Menschen vor der Infektion und dem Tod bewahrt und sie wieder zum Leben gebracht. Wunder sind möglich.

Immer, wenn Krankheit uns trifft, sollen wir um Heilung beten, das ist die einfache Anweisung von Jesus. Tausende haben erlebt, dass Gott eingreift und das Leben wieder schenkt. Daran wollen wir nicht rütteln.

Nur für Top-Athleten?

Das Problem entsteht, wenn wir aus solchen Wundern Gottes die Idee ableiten, dass man gar nicht krank werden kann, wenn man nur «richtig» glaubt. Diese «Theolüge» hält sich bis heute hartnäckig, bis in Corona-Zeiten hinein. Hier wird Glaube als Leistungssport gesehen – wenn du geistlicher Top-Athlet bist, ist Gott zufrieden und heilt dich. Wehe aber, du bist normal, hast manchmal Zweifel oder Zeiten der schwachen Kondition. Dann gelten die Verheissungen Gottes für dich nicht mehr. Dann hat er seine Liebe von dir abgezogen.

Wir können es nicht bestreiten: Diese Frage ist eine der vielen Bereiche des christlichen Glaubens, die sich nur als «Spannung» auffassen und lösen lassen. Wie müssen wir die vielen Zusagen Gottes denn verstehen?

Was ist «Böses»?

Psalm Kapitel 121 verspricht: «Der Herr bewahrt dich vor allem Bösen.» Diese Zusage steht, auch in Corona-Zeiten. Die Frage ist: Was ist «Böses»? Der folgende Vers gibt einen Hinweis: «Er behütet deine Seele.» Das Böse findet also in unserer Seele statt. Es ist der nagende Zweifel: Ist Gott gut? Ist er für mich? Existiert er überhaupt? «Sage Gott doch ab und stirb» – diesen guten Rat gab Frau Hiob ihrem Mann, der gerade seine Kinder und seinen ganzen Besitz verloren hatte und jetzt, von Geschwüren bedeckt und in Lumpen, am Boden sass. Das ist das ultimative Böse: Gott gibt's ja gar nicht. Und wenn, dann ist er nicht gut.

«Keine Literatur ist realistischer und ehrlicher mit den harten Fakten des Lebens als die Bibel», schreibt Eugene Peterson. «Sie verspricht nirgendwo, dass das Leben im Glauben uns vor Schwierigkeiten bewahrt. Was sie verspricht, ist die Bewahrung vor dem Bösen in den Schwierigkeiten. Auf jeder Seite der Bibel wird anerkannt, dass Glaube auf Probleme trifft.» Darum lehrt uns Jesus beten: «Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Bösen.»

Das Wasser und das Schiff

«All das Wasser des Ozeans kann ein Schiff nicht zum Sinken bringen – es sei denn, dass es ins Schiff eindringt», schreibt Peterson weiter. «Der einzige ernsthafte Fehler, den wir machen können, wenn Krankheit kommt und wenn Angst uns bedroht (…) ist der, dass wir denken, dass Gott sich gelangweilt von uns abgewandt hat und sich lieber um interessantere Christen kümmert, oder dass ihn unser schwacher Gehorsam anwidert und er uns eine Zeitlang uns selbst überlässt, oder dass er mit der Erfüllung einer Prophetie im Nahen Osten so beschäftigt ist, dass er keine Zeit für unsere kleinen Probleme hat.»

Lesen Sie Gottes Verhältnis zu Ihnen nicht daran ab, ob Sie Corona bekommen oder nicht. Die Wechselfälle unseres Lebens sind kein Indikator für Gottes Beziehung zu uns. Sondern schauen Sie auf die beiden Punkte in den Händen von Jesus, wo er angenagelt worden ist. Da ist Gottes Liebe zu uns ein für alle Mal festgemacht – niet- und nagelfest. So landen wir unvermeidlich beim Römerbrief 8, Vers 28 und 31-32: «Nichts, was dich trifft – Tod oder Leben (!), irgendwelche Mächte, Hohes, Tiefes, Vergangenheit oder Zukunft – nichts hat die Macht, zwischen dich und die Liebe Gottes zu kommen, die er in Christus, unserem Herrn, beweist.» Mehr geht nicht. Weniger hilft nicht.

Diskussion über theologische Fallen in Zeiten von Corona im Livenet-Talk

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Thema gibt's hier im Livenet-Talk vom 3. April 2020:


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