fbpx Druck auf Christen im Osten – damals und heute | Jesus Mobile
30 Jahre nach Mauerfall

Druck auf Christen im Osten – damals und heute

Am 9. November 1989 veränderte sich die Welt: Die Berliner Mauer, das sichtbarste Symbol der Trennung zwischen Ost und West, wurde niedergerissen. Das Volk liess sich in seinem Freiheitsdrang nicht mehr zurückhalten. Open Doors wurde vor über 60 Jahren gegründet, um Christen im Osten – hinter dem Eisernen Vorhang – beizustehen.

Berliner Mauer
Quelle: berlin-audiovisuell.de
Matthias Scheiter
Quelle: Herzenssache
Bruder Andrew
Quelle: cbn.com

Die Berliner Mauer trennte Ost und West ab dem 13. August 1961. Der Gründer von Open Doors, Bruder Andrew, gehörte zu den ersten, die den Checkpoint Charlie passierten. Er erinnert sich noch gut an die Auswirkungen der Sperranlage: «Der Flüchtlingsstrom aus den kommunistischen Staaten wurde über Nacht gestoppt. Es gab keinen Ausweg mehr, niemand konnte entkommen. Das Ergebnis war eine Welle von Selbstmorden, die sogar Pastoren betraf. Sie hatten die Hoffnung verloren.»

Der Osten hatte ein System geschaffen, das auf einer rigiden Kontrolle basierte. Gerade auch die Kirche war isoliert und bedroht. In diese Situation hinein kamen Menschen wie Bruder Andrew. Ein Weggefährte von ihm, der Niederländer Johan Companjen, erinnert sich: «Damals haben die Kommunisten die Christen überhaupt nicht ausgestanden. Diese fühlten sich völlig verlassen. Ein ungarischer Pastor sagte uns: 'Niemand weiss, wo ich bin, nicht einmal meine Familie. Danke, dass ihr hergekommen seid.' Dann konnte er nicht mehr aufhören zu weinen. Die Polizei hatte seine Kirche geschlossen und ihn unter Hausarrest gestellt.»

Der eigentliche Ursprung von Open Doors geht darauf zurück, dass Bruder Andrew seinen Teil zur Stärkung der verfolgten Kirche östlich der Mauer beitragen wollte. 1961 begannen seine zahlreichen Reisen in den Ostblock: Er schmuggelte Bibeln durch Kontrollpunkte und betete, dass diese von den Wachen unbemerkt bleiben würden. So gelangten Hunderttausende von Bibeln hinter den Eisernen Vorhang und konnten den Christen übergeben werden.

1989: Neues Leben für Ost-Christen

Matthias Scheiter war Christ in Ostdeutschland. Er erinnert sich an die bedeutenden Ereignisse rund um die Wende: «In Ostdeutschland standen wir als Christen unter Druck. Diejenigen, die nicht Mitglied der nationalen Kinder- und Jugendorganisation waren, durften oft kein Abitur machen und  konnten später auch keine weiterführende Schule oder Universität besuchen. Ohne Parteimitglied zu sein, war es schwierig, eine qualifizierte Beschäftigung zu finden. Uns war bekannt, dass Vertreter der Staatssicherheitskräfte (STASI) an Gottesdiensten teilnahmen.»

Noch gut erinnert er sich an den Mauerfall: «Der Donnerstag, 9. November 1989, war für mich ein normaler Arbeitstag. In den Abendnachrichten hatte ich gehört, dass die Reisefreiheit der DDR-Bürger mit sofortiger Wirkung ausgeweitet werden sollte. Ich fragte mich: ‘Ist dies ein neues Regierungsprogramm zur Besänftigung der Bevölkerung?’»

Er hätte sich nie gedacht, dass diese einfache Ankündigung eine solche Dynamik auslösen und die Mauer niedergerissen würde. «Als erste Reaktion kamen mir Freudentränen. Mein erster Gedanke war, dass diese Zeit mit all ihren Schwierigkeiten endlich zu Ende gehen würde! Gleichzeitig hoffte ich, dass ich nun als Christ freier würde leben können, ohne die ständige Angst, beobachtet zu werden.»

Christen hatten für friedliche Revolution gebetet

Es sei ein Wunder gewesen, sagt Matthias Scheiter rückblickend. «Lange Zeit beteten viele Christen unermüdlich. Ich denke, das erklärt, warum diese Revolution friedlich und ohne Blutvergiessen stattfand. Nach dem Fall der Mauer hat sich unser Umfeld komplett verändert. Der Zusammenbruch der Wirtschaft hat zu hoher Arbeitslosigkeit geführt. Viele von uns waren gezwungen, in den Westen auszuwandern.»

Trotz der neuen Herausforderungen waren die Christen dankbar für die neu gewonnene Freiheit. «Der externe Druck hat die christliche Einheit gestärkt. Noch heute leben wir unseren Glauben bewusster und sind sensibel für das Leiden unserer verfolgten Brüder und Schwestern weltweit.»

Drogen und Mafia

Die Freiheit hat nicht alle Probleme der Kirche gelöst. Die Öffnung der Grenzen brachte neue Einflüsse in den Osten wie religiöse Sekten, Pornographie, Drogenkonsum und -handel oder die Mafia.

Paradoxerweise beobachteten Christen, die im Osten blieben, sogar ein durch den zunehmenden Materialismus bedingtes nachlassendes Interesse für Glaubensfragen in der Zeit nach dem Fall des Kommunismus.

Bruder Andrew machte die gleiche Beobachtung: «Der äussere Druck hatte die Christen dazu gebracht, zusammenzuhalten; Freiheit führt nun zu einem Mangel an Zusammenhalt.»

Seit 30 Jahren: Neue Hoffnung, neue Einschränkungen

Heute besteht in vielen zentralasiatischen Staaten, die einst Teilrepubliken der Sowjetunion waren, weiterhin Druck auf die Christen. Die Regierungen mehrerer Länder üben Druck aus durch Religionsbehörden, Sicherheitsdienste, die faktische Verunmöglichung von Kirchenregistrierungen und durch die Einführung einer restriktiven religiösen Gesetzgebung.

Dies ist zum Teil auf das Erstarken des militanten Islam in vielen dieser Staaten zurückzuführen. Nach dem Fall des Kommunismus nutzten Muslime in ölreichen Ländern die aus dieser Industrie sprudelnden Geldquellen, um Moscheen wieder zu öffnen und neue Mullahs in Zentralasien auszubilden. Saudi-Arabien verteilte eine Million Korane in den Ex-Sowjet-Republiken Zentralasiens.

Trotz Druck wächst die Christenheit

Trotz starker staatlicher Einschränkungen in der Religionsausübung nimmt der Einfluss des islamischen Fundamentalismus in allen zentralasiatischen Staaten zu; der Islamische Staat IS hat einige seiner Kämpfer aus dieser Region angeworben. In Tadschikistan verbreiten sich islamische Gruppen aufgrund von Armut und dem Einfluss des angrenzenden Iran in der tadschikischen Gesellschaft.

Aber auch die christliche Kirche ist gewachsen. 1989 gab es unter den traditionellen muslimischen Bevölkerungsgruppen Zentralasiens weniger als 1000 Christen; es gab praktisch keine turkmenischen, usbekischen oder tadschikischen Christen. Seitdem ist die indigene Kirche in Zentralasien lebendig geworden, die Bibel und christliche Bücher wurden in diese Sprachen übersetzt.

In Aserbaidschan, Tschetschenien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan gibt es heute Tausende von indigenen Gläubigen.

Zum Thema:
Als Christ in der DDR: Glaube mit Hindernissen
Schweizer Kommunität: Das «Wunder von Berlin»
King vor 50 Jahren in der DDR: «Auf beiden Seiten der Mauer sind Kinder Gottes»

Werbung
Webversion