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Mission endlich neu denken

Für viele Kirchen und Gemeinden ist Mission zur «No-Go-Area» geworden. Sie vermeiden das Wort und die dahinterstehenden Aktionen. Andere reagieren mit einem trotzigen: «Jetzt erst recht!» und wollen Mission stärken. Beide Reaktionen sind typisch und unterstreichen, dass das ursprüngliche Bild seit langer Zeit verblasst ist. Lässt sich Mission noch einmal ganz neu denken?

Life on Stage 2016 in Wetzikon
Quelle: zVg
Andreas «Boppi» Boppart
Quelle: Ekklesia Movement
Francis Chan
Quelle: Joy News

Tatsächlich scheint genau das dran zu sein: Mission neu denken. Viele Theologen schauen in die Kirchengeschichte und stellen fest, dass es mindestens alle 500 Jahre zu gewaltigen Änderungen im christlichen Glauben kam – und dass diese unbedingt nötig waren. Der letzte grosse Umbruch war – Sie können es sich denken – die Reformation. Und die ist jetzt gut 500 Jahre her… Vor allem ist sie 500 Jahre alt, obwohl sich die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten deutlich beschleunigt haben. Wer Mission heute noch von Luther her denkt und sich wünscht, dass Menschen wieder verstärkt nach einem gnädigen Gott fragen müssten, der ist im falschen Jahrtausend geboren.

Neue Missionsbewegung – alter Inhalt

Tatsächlich gibt es in den letzten Jahren zahlreiche Anstrengungen, vom Evangelium unerreichte Menschen zu erreichen. Nicht nur von den USA aus erkennen viele Christen, dass sie jahrzehntelang an Asiens Milliarden vorbeigeschaut haben. Typisch – und prinzipiell sehr positiv – mag das Beispiel des US-Pastors und Evangelisten Francis Chan sein. Nicht zuletzt wegen seiner chinesischen Wurzeln engagiert sich der US-Amerikaner stark in Asien. Craig Greenfield, der eine sozialmissionarische Arbeit in Kambodscha leitet, beurteilt das Engagement trotzdem kritisch. Er beschreibt, wie Chan sich in Myanmar von Hütte zu Hütte begleiten lässt, per Dolmetscher das Evangelium erklärt und anschliessend betont, dass er sich immer lebendiger gefühlt habe, je mehr Menschen er erreicht hätte. Seinen Einsatz in Asien begründet Chan mit einem Bild: «Das ist, als ob ich von einem See hörte, der fünf Kilometer entfernt ist, in dem aber KEINER ANGELT. Jeder sagt: 'Mann, da beissen die Fische – wirf nur deine Angel aus und du hast sie!' Natürlich gehe ich die fünf Kilometer, wenn ich das Angeln liebe.»

Ein starkes Bild – und eine missionarische Katastrophe.

Mission, die das Denken ignoriert

Chan wirkt vielleicht wie ein Asiat, doch er ist ein westlich geprägter Christ. Wie wirkt sein Auftreten im buddhistisch geprägten Myanmar? Greenfield beschreibt anschaulich, wie die einheimischen Christen ihm begegneten: «Natürlich bieten sie Gastfreundschaft an, wie es in der Gegend üblich ist, besonders gegenüber Menschen, die reicher und mächtiger sind.» Dann folgt der Missionseinsatz. Und der Missionar spricht von «Gott», «Liebe» und «Sünde». Diese Begriffe klingen für europäische oder amerikanische Ohren vertraut, doch asiatische Buddhisten können sie kaum einordnen. Gott? Das ist auch die Sonne und der Mond. Und dieser Gott – welcher eigentlich? – soll die Welt lieben? Das klingt sehr fremdartig und beschämend. Liebe klingt in buddhistischen Ohren nicht nach Nirwana und Erlösung, sondern nach Unvollkommenheit und Sünde. Und das soll Gott sein?

Allerdings leben die Zuhörer des westlichen Missionars ja in einer Beziehungskultur. Und gerade als arme Menschen haben sie begriffen, dass es immer besser ist, «Ja» zu solchen Ideen zu sagen, wenn man Leid verhindern und Anerkennung oder sogar finanzielle Vorteile gewinnen möchte. So sind die Einheimischen höflich, denken sich ihren Teil, sagen Ja und beten sogar mit dem Missionar. Der geht mit einem guten Gefühl und Bekehrungserlebnissen nach Hause – die nie stattgefunden haben.

Mission, die einheimische Christen ignoriert

Ein weiteres Problem bei missionarischen Anstrengungen ist die Blindheit für das, was vor Ort schon besteht. Chan war davon überzeugt, dass dort in Myanmar «keiner angelt». Die Christen vor Ort, die er traf, durften ihn maximal übersetzen. Dabei sind sie es, die in der Kultur zu Hause sind, und gute gewachsene Beziehungen zu ihren Nachbarn haben. Das gilt für sehr viele Missionsbereiche – und längst nicht nur für Francis Chan. Selten sind westliche Missionare heute noch die ersten und einzigen. Und sie tun sehr gut daran, die Augen aufzumachen, um einheimische Christen wahrzunehmen. Dabei stellen sie meistens fest, dass diese wesentlich besser ausgerüstet sind, um Menschen zu erreichen, als sie selbst. So kann es sinnvoll sein, diese einheimischen Christen zu unterstützen.

Ein weiteres Problem macht weltweit vielen Missionaren zu schaffen: Ihr Ruf ist ruiniert. Und manchmal zu recht. Denn jeder, der in einem kulturellen Umfeld arbeitet, ohne dessen Denken und Kräfte zu verstehen, verändert das «Ökosystem des Sees» auf eine ungute Weise.

Mission, die die Zeichen der Zeit ignoriert

Vielleicht sind es auch Gründe wie die oben genannten, die zu der Gegenbewegung geführt haben: lieber gar keine Mission. Doch keine Mission ist keine Option. Mission ist nun einmal kein Hobby der Kirche, sondern ein Herzensanliegen und Auftrag von Jesus selbst: «Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!» (Markus, Kapitel 16, Vers 15).

Auch ohne Kulturgrenzen zu überschreiten, greifen alte Konzepte heute nicht mehr. Andreas «Boppi» Boppart von Campus für Christus wird nicht müde zu betonen, dass wir auch im Westen längst nicht mehr in einer Schuldkultur leben, sondern in einer Schamkultur. Das mag man bedauern. Und sich – siehe oben – die Zeiten Luthers zurückwünschen, wo Menschen auf der Suche nach einem gnädigen Gott waren. Doch die Menschen heute sind nicht ungeistlicher, sie leben einfach nicht mehr im klösterlich geprägten Mittelalter. Und Mission bedeutet, ihnen heute Gott vor Augen zu malen, sodass sie ihn erkennen. Eine echte Herausforderung. Denn das funktioniert nur, wenn wir Mission neu denken.

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