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Mehr als ein Symbol

Der Ölbaum und seine Bedeutung für den Glauben

Verknorzt sehen sie oft aus

Ölbaum
Quelle: Pixabay

– und doch edel. Viele hundert Jahre werden sie alt und bringen lange Frucht. Die Rede ist von Ölbäumen. Seit biblischen Zeiten prägen sie die Region Israels und den gesamten Mittelmeerraum. Und dabei sind sie viel mehr als nur Bäume: Sie stehen symbolisch für den Frieden, das Leben und das Volk Israel.

Botanisch heisst der Echte Ölbaum «Olea europaea», obwohl er in den meisten teilen Europas nicht heimisch werden kann. Denn mit Trockenheit und Hitze kommt der Baum klar, aber nicht mit Kälte oder gar Frost.

Die Pflanze

Wer in Israel, Griechenland oder irgendwo im Süden in den Schatten eines Olivenhains geht, erlebt dessen besonderen Reiz. Die Bäume sind licht und doch schattig. Sie kühlen die Luft ein wenig herunter und knistern doch in der Sonne. Die meisten Bäume sind eher klein, doch es gibt schon welche, die bis zu 20 Meter hoch werden. Sie sind immergrün, was allerdings auch bedeutet, dass zu jeder Jahreszeit einzelne Blätter abgeworfen werden. Von April bis Juni blühen die Olivenbäume mit weissen, rispigen Blütenständen, geerntet wird ab Oktober, dabei sind die grünen Oliven noch unreif, mit der Reife färben sie sich violett-braun bis schwarz.

Die ältesten Ölbäume im Jerusalemer Garten Gethsemane haben Jesus und seinen Jüngern wahrscheinlich noch keinen Schatten geboten, doch sie sind auf jeden Fall viele hundert Jahre alt. Als ältester Ölbaum weltweit gilt übrigens ein Exemplar in Vouves auf Kreta, das auf 4'000 Jahre geschätzt wird.

Symbol für Altern in Würde

Das Alter der Olivenbäume gehört bereits zu ihrer Symbolik. Tatsächlich brauchen sie Jahrzehnte, bis ihr Ertrag auf dem Höhepunkt angekommen ist. Und gleichzeitig stehen sie mit ihrem gewaltigen Stamm für ein undefinierbares Alter. Denn anders als bei anderen Bäumen lassen sich bei älteren Ölbäumen die Jahresringe nicht zählen. Während der Baum aussen weiter wächst, wird er innen hohl. Somit bleiben alle zeitlichen Angaben ab einem gewissen Alter bei Schätzungen. Durch seinen Drehwuchs lassen sich auch keine geraden Holzabschnitte «ernten», dadurch erhalten Gegenstände aus Olivenholz immer ein besonders charaktervolles Aussehen. Die bekanntesten Kunstwerke daraus waren wohl die nicht mehr erhaltenen Engelsfiguren, die Salomo für den Jerusalemer Tempel anfertigen liess – mit einer Höhe von über vier Metern: «Er machte im Sprachort auch zwei Cherubim aus Ölbaumholz, 10 Ellen hoch» (1. Könige, Kapitel 6, Vers 23).

Symbol für Frucht

Als wichtiges landwirtschaftliches Erzeugnis in Israel und Umgebung steht der Ölbaum schon früh für Frucht und Segen. Sein Öl war einerseits kultisch wichtig (zum Beispiel zur Salbung von Königen und Priestern), andererseits ein absolutes Grundnahrungsmittel. Dabei gibt der Ölbaum im Gegensatz zur majestätischen Eiche kein besonderes Bild ab, im Gegenteil: Je krummer und knorriger er ist, desto besser ist sein Ertrag. Natürlich lässt sich so etwas symbolisch auch überfrachten, aber es klingt deutlich nach den typischen Antihelden-Geschichten der Bibel, nach dem Gott, der auch auf krummen Zeilen gerade schreibt.

Symbol für Frieden

Schon sehr früh in der Bibel steht der Ölbaum als Symbol für Frieden: Als das Wasser der Sintflut versickert, schickt Noah eine Taube aus. «Und die Taube kam zur Abendzeit wieder zu ihm, und siehe, sie hatte ein frisches Ölbaumblatt in ihrem Schnabel! Da erkannte Noah, dass das Wasser sich verlaufen hatte auf der Erde» (1. Mose, Kapitel 8, Vers 11).

Nicht erst seit Picasso und seiner Lithografie der Friedenstaube mit Ölblatt zum Weltfriedenskongress 1949 gilt dieses Bild als Friedenszeichen.

Symbol für Gottes paradoxes Volk

Auch der Apostel Paulus verwendet den Ölbaum als Symbol – allerdings auf eine paradoxe Art und Weise: «Wenn aber etliche der Zweige ausgebrochen wurden und du als ein wilder Ölzweig unter sie eingepfropft bist und mit Anteil bekommen hast an der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums, so überhebe dich nicht gegen die Zweige! Überhebst du dich aber, so bedenke: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich!» (Römer, Kapitel 11, Vers 17–18). Mit dieser Ermahnung sagt Paulus den Heidenchristen, dass ihr Glaube auf der Basis der Juden steht.

Dabei wird das Judentum als edler Ölbaum beschrieben, in den die Heidenchristen als wilde Triebe eingepfropft wurden. Kein Bauer würde das so machen, denn wilde Oliven bringen kaum Ertrag. Veredeln findet immer anders herum statt: auf eine wilde Unterlage kommen edle Zweige. Doch Gottes Ideen mit Menschen widersprechen oft den augenscheinlich besten Lösungen.

Symbol für Leben aus Gott

König David vergleicht in einem seiner Lieder sein (Glaubens-)Leben mit einem grünenden Olivenbaum: «Ich aber bin wie ein grüner Ölbaum im Haus Gottes; ich vertraue auf die Gnade Gottes für immer und ewig» (Psalm 52, Vers 10). Für ihn schliesst sich der Kreis der Fruchtbarkeit, des Segens und des Friedens in der Gegenwart Gottes – im Haus Gottes. Da will David weiter leben und wachsen wie ein Ölbaum.

Ein Baum – viele Symbole

Es gibt in der Bibel manche Symbole, die ziemlich eindeutig belegt sind. Der Ölbaum gehört nicht dazu. Er spiegelt eine grosse Vielfalt an Bedeutungen wider – manche davon sind direkt in der Bibel intendiert, andere erschliessen sich aus unserem Umfeld oder eigenen Beobachtungen. Damit fordern sie nicht zum Streiten auf, wer denn nun die richtige Bedeutung erkannt hat, vielmehr laden sie dazu ein zu staunen über eine faszinierende Pflanze.

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