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Der «Herr der Schuhe»

Heinrich Deichmann, eine Hiobsbotschaft und das Festhalten an Gott

Er ist der grösste Schuhhändler Europas. Er ist bekennender Christ. Und er sprach beim Kirchentag über den alttestamentlichen Hiob und Gottes Liebe zu jedem Menschen. Die Rede ist vom Unternehmer Heinrich Deichmann, der die Firma trotz seines Glaubens nicht als christliches Unternehmen bezeichnet.

Heinrich Deichmann
Quelle: Deichmann

Es gibt Menschen, die bemerkt man kaum. Und es gibt Menschen, die mit ihrer Präsenz den Raum füllen und denen man einfach zuhört – weil sie etwas zu sagen haben und sich auch noch ausdrücken können. Der Schuh-Milliardär Heinrich Deichmann (56) gehört zu letzteren. Dabei ist er niemand, der sich unbedingt in den Vordergrund spielt.

Ein milliardenschweres Erbe

Sein Vater, Heinz-Horst Deichmann, schuf aus dem elterlichen Schuhgeschäft die grösste Schuheinzelhandelskette Europas. Er starb 2014 im Alter von 88 Jahren. Die Maxime des Seniors war neben seinem unternehmerischen Denken immer ein tief verwurzelter Glaube. «Am Ende meines Lebens wird Gott mich nicht fragen, wie viele Schuhe ich verkauft habe. Er wird wissen wollen, ob ich wie ein wahrer Christ gelebt habe», war Deichmann überzeugt.

Und diese Überzeugung gehört mit zum Erbe, das er seinem Sohn und Nachfolger Heinrich Deichmann mitgab. Auch der Sohn des «Milliardärs von nebenan» sieht die Firma als eine Möglichkeit, um Menschen zu dienen. Der Wirtschaftswissenschaftler und Theologe ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Schon früh engagierte er sich im väterlichen Unternehmen und trat 1999 die Nachfolge seines Vaters an. Wer nun denkt, dass jemand, der 40'000 Angestellte hat, über 170 Millionen Paar Schuhe pro Jahr verkauft und dabei einen Bruttoumsatz von 5,6 Milliarden Euro erzielt, sich im Privatflugzeug zwischen seinen diversen Villen hin- und herfliegen lässt, der täuscht sich. Das Fashion-Magazin Gala stellte denn auch fest: «Luxusvilla und Champagnerdusche? Fehlanzeige!». Trotzdem nimmt auch «der Junior», Heinrich Deichmann, seit Jahren einen festen Platz auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt ein.

Ein gesundes Engagement

Der Reichtum der Deichmanns lässt sich nicht lösen von ihrem gesellschaftlichen und christlichen Engagement. Bereits der Vater begann damit, dass er jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter eine Woche Ferien in der Schweiz auf Firmenkosten anbot – nur die Urlaubstage musste man selbst beisteuern. Neben dieser firmeninternen Fürsorge gründete der Senior auch das Hilfswerk «Wort und Tat», und Vater und Sohn engagierten sich damit hauptsächlich in Indien unter den Ärmsten der Armen. Heinrich Deichmann führt diese Arbeit nicht nur fort, er erweiterte sie auf praktische Hilfe auf drei Kontinenten und die Möglichkeit für Hunderttausende, die christliche Botschaft zu hören. Das Motto ist: «Gott liebt die Menschen. Wir zeigen es ihnen – in Wort und Tat!»

Damit führt Heinrich Deichmann das soziale und missionarische Anliegen seines Vaters sehr bewusst weiter. Er hätte es beenden oder neu ausrichten können, doch es entspricht auch seinen Vorstellungen. Gegenüber Gala sagte er dazu: «Was mir sehr früh imponiert hat, war, dass mein Vater nicht nur wirtschaftlich erfolgreich war, sondern dass er mit dem Erfolg immer viel Gutes getan hat. Meine frühste Erinnerung ist, dass er neben unserem Wohnhaus ein Kinderheim gegründet hat. Dort haben 13 Kinder und Jugendliche gelebt und sind quasi neben unserer Familie gross geworden. Wir hatten auch immer mit ihnen zu tun, haben uns um sie gekümmert. Und haben so gelernt, Verantwortung für sozial Schwächere zu übernehmen. Mein Vater hat das praktisch vorgelebt, ohne Berührungsängste.»

Eine Hiobsbotschaft

Beim diesjährigen Kirchentag war Heinrich Deichmann einer der Redner. Gleich zur Eröffnung der Grossveranstaltung hielt er eine Bibelarbeit über Hiob (Kapitel 2, Vers 7–13). Er widerstand darin der Versuchung, das Buch mit seiner schweren Handlung weichzuspülen. Er stellte die Frage, die sich jedem Leser aufdrängt, und liess sie ein Stück weit unbeantwortet: Warum lässt Gott das zu? Das christliche Medienmagazin Pro zitiert ihn, dass sich eben in dieser Spannung ein «Gottesbild von unauslotbarer Kühnheit» zeige. «Gott ist solidarisch, empathisch, leidet mit.»

Doch der Unternehmer und Theologe betonte auch: «Gott entzieht sich aller eindeutigen menschlichen Berechenbarkeit» und warb für ein Festhalten an einem Gott, der es gut mit jedem meint: «Weil Hiob Gott die Freiheit gibt, sich anders zu verhalten, als es seinem Wunschbild entspricht, kann er an Gott festhalten.» 

Ein Christ als Unternehmer

Bei einem so starken christlichen Engagement bleibt die Frage nicht aus, ob Heinrich Deichmann seine Firma als christliches Unternehmen versteht. «Nein», betonte er gegenüber Gala. «Unser Unternehmen ist offen für alle Konfessionen, wir haben neben Christen auch Moslems, Hindus und Buddhisten in unserer Firma – und natürlich auch Menschen, die keiner Konfession zugehören. Alle sind willkommen, wenn sie sich wirklich mit unseren Werten identifizieren.» Was aber wichtiger ist als die Frage nach der Christlichkeit des Unternehmens (wie auch immer sich so etwas darstellen soll), ist die nach dem Herzen des Unternehmers dahinter. Und in dem ist offensichtlich viel Platz für Gott.

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