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Das Wunder von Liverpool

Jürgen Klopp und ein Sieg der Hoffnung

Alle Welt spricht von einem Wunder. Jürgen Klopp schafft es, mit seiner Mannschaft den FC Barcelona zu besiegen und zieht ins Champions-League-Finale 2019 ein. Der Trainer des FC Liverpool lacht sein breitestes Lachen, als die Hymne «You'll never walk alone» erklingt. Das Halbfinale ist bereits Fussballgeschichte. Und gleichzeitig Gottes Geschichte mit einem Menschen.

Jürgen Klopp
Quelle: twitter.com

Kein Zweifel: Jürgen Klopp (51) ist eine charismatische Person, ein absoluter Sympathieträger. Selbst Menschen, die sich nicht für Fussball interessieren, kennen und mögen ihn. Und viele von denjenigen, die Fussball schauen, lieben ihn seit dem 7. Mai geradezu. Da stand er als Trainer des FC Liverpool mit einem geschwächten Team und einem 3:0-Rückstand aus dem Hinspiel dem mächtigen FC Barcelona gegenüber – und sie gewannen das Spiel mit 4:0.

David gegen Goliath?

Direkt nach dem 4:0-Sieg der Reds war bereits die Rede von einem «unglaublichen» Sieg, vom «Wunder von Liverpool». Und ja: Das Spiel war sensationell spannend. Wenn man es auf die nüchternen Fakten beschränkt, dann schossen Origi (7. Minute), Wijnaldum (54. und 56. Minute) und noch einmal Origi (79. Minute) vier Tore. Doch es war gleichzeitig eine Aufholjagd der Sonderklasse, denn die Gegner hatten ja aus dem Hinspiel ein sattes Polster. Es war ein Spiel gegen Superstar Lionel Messi. Und es war ein Spiel gegen einen der grössten und umsatzstärksten Fussballvereine weltweit – Barca hat laut Wikipedia einen Jahresumsatz von über 450 Millionen Euro. Es war ein Kampf gegen den klaren Favoriten.

War es ein Kampf David gegen Goliat? Gefühlt wohl schon, obwohl Liverpool nun auch keine Mannschaft ist, die noch nie gewonnen hätte. Es war einfach eines dieser Spiele, die man vorher nicht abschätzen kann und die hinterher doch Geschichte geschrieben haben. Wirklich erklären lässt sich das nicht. Wenn Christian Spiller in der Zeit schreibt: «Es siegte die Leidenschaft, der Wille, die Muskelkraft», dann hätte er im Fall einer Niederlage auch ergänzen können: aber es hat leider nicht gereicht… Für Jürgen Klopp steht dagegen fest, dass seine Jungs «die vielleicht beste Mannschaft der Welt» sind. Laut Stern betonte er nach dem Sieg: «Das ist verrückt. Ich hoffe, dass ich mich in 50 Jahren daran noch erinnern kann. Das ist eine aussergewöhnliche Nacht, das haut dich um. Die Jungs haben es gemacht.»

Glaube, der Berge versetzt

Wer ist eigentlich Jürgen Klopp, dieses «Motivationsmonster»? Der gebürtige Stuttgarter spielte als Profifussballer unter anderem beim damaligen Zweitligisten Mainz 05. Kurz vor dem Abstieg wechselte er auf die Trainerbank seines Vereins und schaffte es, das Ruder herumzureissen – als Trainer ohne Trainerschein. 2011 und 2012 gewann er mit Borussia Dortmund und einem überraschend anderen, neuen Fussballspiel zweimal in Folge die Deutsche Meisterschaft. Seit 2015 trainiert er den FC Liverpool. «Kloppo» lacht, motiviert und fährt Erfolge ein. Und die ganze Zeit über outet er sich als Christ.

Selbstverständlich und sympathisch berichtet der Trainer von seiner Erfahrung: «Gott lässt dich nie allein.» Er erzählt im Fussball-Roadmovie «Und vorne hilft der liebe Gott» von seinem Glauben und engagiert sich sowohl in der Initiative «Respekt! Kein Platz für Rassismus» als auch als Reformationsbotschafter. Sein positives Verhältnis zu Gott wuchs erst, als er bereits erwachsen war – vorher war Gott für ihn zwar präsent, aber eher als permanent mit ihm unzufriedener Gott. Jetzt äussert er sich ganz anders: «Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt bei Gott zu bedanken.»

Beten für den Sieg?

Ein 4:0 ist ein guter Grund, Gott danke zu sagen, aber auch für Jürgen Klopp ist Gott nicht derjenige, der für ihn gewinnt. Dazu sind schon die Spieler da… «Für mich ist der Glaube an Gott wie ein Fixstern, der immer da ist. Ein treuer Begleiter, der dir oft genau dann Kraft schenkt, wenn du gar nicht mehr damit rechnest», unterstreicht er. Und als Erfolgsgeheimnis sieht er es an, dass er seine Arbeit richtig gern macht. Dass er seine Aufgabe als Trainer jeden Tag erfüllen kann, empfindet er als «ausgesprochenes Glück». Und gleichzeitig freut er sich, dass das nicht alles ist: Während es beim Fussball um den ersten Platz geht, muss man als Christ «nicht auf der Eins stehen». Für ihn gibt es «keine Weltrangliste der Christen».

Man darf gespannt sein, wie das Finale gegen Tottenham ausgehen wird. Die Liverpooler Hymne «You’ll never walk alone» wird dabei in jedem Fall gesungen werden. Und sie gilt für mehr als nur guten Fussball, denn auch Gott lässt uns nie allein – weder auf der Gewinnerstrasse noch wenn wir verlieren.

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