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SRS Sportarena

«KörperReaktionen»: Ein Arzt gibt Auskunft

Das Thema der diesjährigen Sportarena von SRS Pro Sportler lautet «KörperReaktionen». Mit Dr. med. Simon Berger wird Anfang November in Steffisburg ein Fachmann darüber sprechen, welche Körperreaktionen unser Leben beeinflussen und prägen. Hier blickt er bereits etwas auf die Sportarena voraus.

Simon Berger mit seiner Frau Franziska
Quelle: zVg
SRS Sportarena Flyer
Quelle: zVg

Simon Berger ist seit 2018 Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und arbeitet am Kantonsspital Münsterlingen (Kanton Thurgau) als Oberarzt. Er ist verheiratet mit Franziska und seit kurzem Vater von Raphael.

Herr Berger, wie lassen sich körperliche Reaktionen erklären?
Simon Berger: Der Mensch ist mit Sinnesorganen ausgestattet, um sich selbst wahrzunehmen und mit der Umwelt zu interagieren. Die inneren und äusseren Reize lösen im Körper physiologische Mechanismen aus, dies sind normale, insbesondere physikalische, chemische und biochemische Vorgänge. Als Folge kommt es zu einer Reaktion oder Gegenreaktion, wie zum Beispiel die Anregung des Stoffwechsels, Bewegung, Wachstum, Fortpflanzung usw.

Welchen Stellenwert haben Körperreaktionen im Sport?
Die aktivierenden Körperraktionen braucht der Sportler, um seine maximalen Potentiale und Leistungen abzurufen. Das autonome Nervensystem besteht aber nicht nur aus dem sympatischen (aktivierenden) Nervensystem, sondern auch dem Gegenspieler, dem Parasympatikus. Er wird auch als «Ruhe-Nerv» oder «Erholungs-Nerv» bezeichnet, da er der Erholung und dem Aufbau körpereigener Reserven dient. John Steinbeck, ein amerikanischer Schriftsteller sagte: «Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.» Das gilt für den Leistungssportler sowie für den Freizeitsportler. Besteht aber eine dauernde Stressbelastung durch einen anhaltenden Zustand von Anspannung und Erregung durch Übertraining, äussere Ereignisse und Lebensbelastungen (Stress) oder innere Konflikte, Befürchtungen, Kränkungen und Vorstellungen, werden die aktivierenden sympathischen Mechanismen aufrechterhalten. Das Risiko für überlastungsbedingte körperliche Verletzungen steigt. Schätzungen zeigen, dass 25-50 Prozent der Sportler, die eine medizinische Klinik aufsuchen, eine Überlastungsverletzung erlitten haben. Am häufigsten treten sie im Alter von 20-29 Jahren auf, werden aber auch bei Freizeitsportlern im Alter von 30-49 Jahren beobachtet.

Weshalb sind SportlerInnen besonders gefährdet, ihren Körper zu sehr zu belasten?
Ich denke, die Gründe und Motive sind unterschiedlich und müssen im individuellen Fall angeschaut werden. Erstaunlich finde ich die Studie von Breuer und Hallmann (2013) mit Befragungen von Leistungssportlern: Sie zeigten, dass über 40 Prozent der Athleten bereit waren, Gesundheitsrisiken bewusst in Kauf zu nehmen und daher wahrscheinlich auch wenig Rücksicht auf ihre psychische Integrität und nicht Sport assoziierte Bedürfnisse nehmen. Wir leben in einer wettbewerbsorientierten, zielstrebigen Gesellschaft. Durch besondere Leistungen erhalten wir Anerkennung, Wertschätzung und der Sport mag uns eine beeindruckende Identität verleihen.

Welchen Einfluss haben wir auf diese Prozesse im Körper?
Durch wiederholtes, gezieltes, körperliches und mentales Training sowie bewusste Entspannung können wir unseren Körper auf bestimmte Belastungssituationen vorbereiten und prägen. Die Leistungsfähigkeit ist ein individuelles Persönlichkeitsmerkmal, sie lässt sich durch Lernen und Trainieren steigern. Lernen und Trainieren vermitteln nicht nur entsprechende Erfahrung, sondern führen auch zu jeweils spezifischen Anpassungen des Organismus mit den erwähnten Körperreaktionen.

Das vegetative Nervensystem können wir nur indirekt und nicht willentlich steuern. Mit grundlegenden Prinzipien wie ausgewogener Lebensführung mit gesunder Ernährung, Erholung (Schlaf-Wachrhythmus), Entspannung (mentales Training, Atemübungen usw.), gegenseitig bereichernden Beziehungen mit Freunden, Familie können wir unseren Körper positiv beeinflussen. Weiter beeinflussen wir unseren Körper mit unseren Gedanken, und zwar weit mehr als uns bewusst ist!

Mehr Informationen zur SRS Sportarena finden Sie hier.

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