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Neuer vorgeburtlicher Bluttest

«Auf dem Rücken schwangerer Frauen ausgetragen»

Das Heidelberger Unternehmen Eluthia hat angekündigt, einen vorgeburtlichen Bluttest zur Diagnose der Mukoviszidose auf den Markt zu bringen. Die pränatale Erkennung immer neuer Krankheiten ist

Schwangere Frau mit Ultraschallbild
Quelle: bigstock

allerdings gesellschaftspolitisch stark umstritten.  

So vertrat die behindertenpolitische Sprecherin der deutschen Grünen-Bundestagsfraktion, Corinna Rüffer, die Ansicht, dass die Entwicklung neuer Bluttests für Schwangere zu einem immer stärkeren Trend der Selektion führe. Das berichtete das Nachrichtenmagazin «idea D» unter Berufung auf einen Artikel in der «Welt am Sonntag» vom 6. Oktober.

Der Anlass: Das Unternehmen Eluthia hat angekündigt, am 17. Oktober einen neuen Test auf den Markt zu bringen, durch den festgestellt werden kann, ob ein ungeborenes Kind die genetische Anlage für die Erbkrankheit Mukoviszidose hat, die häufigste Stoffwechselerkrankung bei hellhäutigen Menschen in Westeuropa und den USA. Bei dieser Krankheit, auch zystische Lungenfibrose genannt, ist der Schleim in Bronchien, Bauchspeicheldrüse und Darm nicht in der Lage, aus dem umliegenden Gewebe Wasser zu ziehen. Dadurch können Organe nicht richtig arbeiten. Die Lebenserwartung von Neugeborenen, die an der Krankheit leiden, liegt heute bei 50 Jahren.

Der Test solle 695 Euro kosten und könne ab der elften Schwangerschaftswoche angewendet werden. Nach Ansicht des Eluthia-Gründers Terrin Khairi-Taraki könnten Eltern das Wissen um die Veranlagung des Kindes nutzen, um sich auf ein Leben mit der Krankheit vorzubereiten. Man dürfe aber nicht «die Augen vor der Wirklichkeit verschliessen, dass ein positives Testergebnis in vielen Fällen zu einem Schwangerschaftsabbruch führen werde».

Gesellschaftlicher Druck auf schwangere Frauen

Corinna Rüffer hat selbst ein Kind mit Down-Syndrom. Nach ihrer Überzeugung stellt sich «auf immer dramatischere Weise dar, dass in einer Gesellschaft, die auf Normalität ausgerichtet ist, vieles auf dem Rücken schwangerer Frauen ausgetragen wird». Der Druck nehme zu, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen und Abweichungen zu vermeiden. Darum forderte auch der Vorstandschef des Selbsthilfevereins Mukoviszidose e.V., Stephan Kruip, der Test dürfe nur bei Eltern mit erhöhtem Risiko für die Krankheit angewendet werden. Gegen den vermeintlichen Zwang zur Diagnostik müsse die Gesellschaft die Zusicherung setzen, «dass auch Kinder mit Behinderung willkommen seien». «Aus Sicht vieler unserer Mitglieder kann auch ein Leben mit Mukoviszidose ein erfülltes Leben sein», so Kruip.

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