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Fünf neue katholische Heilige

Müssen Heilige erst tot sein?

Am letzten Sonntag wurden vier Frauen und ein Mann neu in den Olymp der katholischen Heiligen aufgenommen. Sogar Prinz Charles war bei der offiziellen Feier dabei. Wieso gibt’s Heilige nur so selten? Was ist mit uns?

Heiligsprechung
Quelle: CNA

Vor über 50'000 Menschen kanonisierte Papst Franziskus am 13. Oktober auf dem Petersplatz in Rom die fünf neuen Heiligen, unter denen zum ersten Mal seit 50 Jahren auch ein Brite war: Kardinal John Henry Newman. Neben ihm wurden Giuseppina Vannini, Mariam Thresia Chiaramel Mankidiyan, Dulce Lopes Pontes und Marguerite Bays heiliggesprochen.  

Ein Anglikaner wird katholisch...

St. John Henry Newman war ein anglikanischer Geistlicher, der im Jahre 1845 zum Katholizismus konvertierte. Er gründete in England einen Orden und wurde später Kardinal. Newman lebte über 40 Jahre lang in Birmingham und wirkte als Theologe und Schriftsteller. Im Jahr 2010 war er vom Papst in den Midlands seliggesprochen worden – die Vorstufe zur Heiligkeit.

Drei der vier neuen weiblichen Heiligen waren Gründer und Mitglieder verschiedener religiöser Orden in Rom, Indien und Brasilien, die sich wesentlich der sozialen Fürsorge für Arme widmeten und im Namen Gottes eine grossartige Arbeit leisteten.

… und eine Schweizerin heilig

Mit der fünften Person hat schliesslich die Schweiz ihre dritte Heilige – eine der selteneren Fälle der Heiligsprechung von weiblichen Laien. Marguerite Bays (1815-1879), Näherin und Bäuerin aus Siviriez (FR), wurde heiliggesprochen, weil der Vatikan die «fast unmittelbare und komplette» Heilung eines zweijährigen Buben, der von einem Traktor überfahren wurde, nach einem Gebet zu Marguerite als echt erkannt hatte.

Muss man erst tot sein?

Evangelische Gläubige stehen nicht den Personen, aber dem Kult, der um katholische Heilige getrieben wird, kritisch gegenüber. Das Positive: Heilige sind Menschen, die unbestreitbar Vorbildcharakter haben. «Heilige sind Menschen, durch die es anderen leichter wird, an Gott zu glauben», sagte Nathan Söderblom (1866 - 1931), der schwedische evangelische Theologe, Erzbischof von Uppsala und Träger des Friedensnobelpreises von 1930.

Die Frage bleibt: Muss man dazu erst tot sein? «Niemand ist lebendiger als ein toter Heiliger», sagte ja schon US-Bischof Fulton John Sheen.

Ein toter Sünder, bearbeitet und neu herausgegeben

Geht man dem Wort in der Bibel auf den Grund, merkt man schnell: So selten sind Heilige gar nicht. Das Neue Testament ist revolutionär offen – viel offener als die spätere religiöse Tradition. «An die Heiligen und Geliebten» schreibt Paulus viele seiner Briefe. Jeder, der Jesus Christus nachfolgt, wird im Neuen Testament «Heiliger» genannt. Wie kann man das verstehen?

Ein Zitat von Bitter Pierce hilft hier: «Ein Heiliger ist ein toter Sünder, bearbeitet und neu herausgegeben.» Der US-Satiriker wusste wahrscheinlich gar nicht, wie recht er auf einer tieferen Ebene hatte. Denn ein Heiliger ist wirklich ein Sünder, der gemerkt hat, dass er eigentlich geistlich «tot» ist (getrennt von Gott), durch Jesus Christus die Vergebung seiner Schuld erlebt und neu zum Leben kommt.

Erst selig, dann heilig

Das ist die Reihenfolge in der katholischen Kirche, und so ist es auch mit Heiligen heute. «Selig» nach der Bibel bedeutet «errettet, von Gott angenommen, von neuem geboren». Diese Erfahrung der Annahme durch Jesus Christus verändert ein Leben. So werden Heilige im Alltag geboren – nicht unbedingt perfekte Menschen, aber solche, die dem Heiligen Gott gehören und denen er seinen Stempel aufdrücken kann.

Papst Franziskus zitierte John Henry Newman in seiner Predigt: «Der Christ hat einen tiefen, ruhigen, verborgenen Frieden, den die Welt nicht sieht… Der Christ ist fröhlich, leicht im Umgang, freundlich, höflich, offen, bescheiden… er hat so wenig Ungewöhnliches oder Auffälliges in seinem Benehmen, dass man ihn auf den ersten Blick für einen ganz normalen Menschen halten kann.»

Danken wir Gott für alle Heiligen der Vergangenheit. Deutlich wichtiger aber ist, dass Sie und ich als Heilige in der Gegenwart leben und helfen, Zukunft zu prägen.

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