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Christ oder Rassist?

Xavier Naidoo – Wenn Idole peinlich werden

1998 begann die Erfolgsgeschichte von Xavier Naidoo und seiner Musikgruppe «Söhne Mannheims». Sein Debütalbum «Nicht von dieser Welt» verkaufte sich über eine Million Mal. Und viele Christen freuten sich, dass da «einer von uns» solchen Erfolg hatte. In den letzten Jahren wurden solche Beifallsbekundungen weniger. Zu zwiespältig erschienen die Äusserungen des Musikers. Jetzt musste er als Juror der RTL-Sendung «Deutschland sucht den Superstar» gehen. Was ist davon zu halten?

Xavier Naidoo
Quelle: Instagram

Xavier Naidoo (48) ist zweifellos ein erfolgreicher Musiker. Der Sohn eines indisch-deutschen Vaters und einer südafrikanisch-irischen Mutter wuchs in Mannheim auf. Musikalisch bewegt er sich zwischen R&B und Soul. Doch nicht seine Musik beherrscht seit Längerem die Berichte über ihn, auch nicht der Glaube des bekennenden Katholiken, sondern immer wieder Skandalmeldungen.

Aktuelle Kontroverse

Anfang März tauchte bei Twitter ein undatiertes Song-Video von Naidoo auf, in dem er sich zwischen missverständlich und klar ausländerfeindlich äusserte: «Doch Hauptsache es ist politisch korrekt, auch wenn ihr daran verreckt! Und nochmal: Ich hab fast alle Menschen lieb. Aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt.»

Wie bei früheren Äusserungen des Sängers schlugen die medialen Wellen hoch. Die einen fühlten sich zutiefst verstanden und pochten auf Meinungsfreiheit, während andere ihn als rechtsradikal oder rassistisch bezeichneten. Naidoo selbst nahm zunächst keine Stellung zu dem Video, dann erklärte er lediglich, dass alles ein Missverständnis und er kein Rassist sei. «Nachdem sich Xavier Naidoo in einem irritierenden Video über vermeintliche Missstände in Deutschland äusserte, ist er nicht mehr Teil der DSDS-Jury», erklärte RTL danach und beendete die Zusammenarbeit. Während die Diskussion zwischen Fans («Hier wird ein Künstler mundtot gemacht») und Kritikern («Der Hinauswurf war richtig, aber viel zu spät») noch andauerte, legte der Star selbst nach. Im Interview mit dem als Rechtspopulist geltenden Oliver Janich unterstrich Naidoo laut Thomas Lückerath/dwdl, «dass der provozierte Rauswurf eine lange geplante PR-Nummer war für ein neues Album, das offenbar laut den Kurzvideos Anfang März ein 'patriotisches' Album werden soll».

Gewollt missverständlich

Eine rechtspopulistische Provokation als PR-Gag? Tatsächlich war die Karriere von Xavier Naidoo von Anfang an durch Irritationen begleitet. Für manche Musikliebhaber war es bereits ein Skandal, dass der Sänger nach seinem Debütalbum eine zweite Scheibe auf den Markt brachte: «Zwischenspiel – Alles für den Herrn». Im zweiten Teil betonte der Sänger seine Beziehung zu Gott und seine christliche Haltung. In der Folge sang er immer wieder Lieder, die man sowohl als christliche Stücke interpretieren konnte als auch als allgemeine Lieder. Typisch dafür ist eines seiner bekanntesten Stücke: «Dieser Weg (wird kein leichter sein)».

Naturgemäss machte diese Art von «Doppeldeutigkeit» Christen keine Probleme. Auch säkulare Kritiker störten sich höchstens daran, dass ein erfolgreicher Musiker Christ sein konnte. Doch Naidoo liess es nicht bei solchen harmlosen Irritationen: Er wurde wegen Drogenbesitzes und Fahren ohne Führerschein verurteilt. Er bezeichnete sich selbst als «Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe» (Rolling Stone). Er stellte Strafanzeige gegen den damaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler wegen Hochverrats. Er trat als Redner bei einer Veranstaltung der Reichsbürger auf, einer vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen Organisation. Etliche ihrer Verschwörungstheorien und Positionen vertritt er vehement.

Lange berichteten christliche Medien darüber eher zurückhaltend. Für viele herrschte der Eindruck vor: Hier wird ein Christ aufgrund seines Glaubens in den Medien öffentlich vorgeführt. Doch inzwischen hat sich das mehrheitlich geändert. Es scheint klar: Nicht eine «linke» Presse diskreditiert Naidoo – das macht der Musiker schon selbst. So wechseln sich seit Jahren eher kritische Nachrichten (z.B. in PRO) mit Nicht-Berichterstattung ab. Xavier Naidoo ist peinlich geworden.

Die Frage der Fallhöhe

Diese Peinlichkeit bei einem Menschen, der sich selbst nach wie vor als Christ bezeichnet, wirft allerdings nicht nur ein fragwürdiges Licht auf ihn selbst. Sie stellt auch manche Jubelbotschaft christlicher Medien infrage.

«Hast du schon gehört, xy ist Christ geworden?» Je nach Generation lassen sich hier die verschiedensten Namen einsetzen: Bob Dylan, Lady Gaga, Justin Bieber, Kanye West usw. Das soll nicht heissen, dass diese Menschen wirklich an Jesus glauben. Und es soll erst recht nicht heissen, dass sie es nicht tun. Es ist nur so: Glaube ist manchmal ein einsames Geschäft. Er findet im Herzen statt und niemand sieht ihn. Darüber hinaus muss man als Christ immer wieder damit leben, dass andere diesen Glauben als unzeitgemäss, intellektuell unterbelichtet oder gar schädlich bezeichnen. Da tut es schon gut, dass auch Prominente glauben. Also echte Prominente, nicht solche wie Michael Diener, Kardinal Marx, Andreas Boppart oder Johannes Hartl. Die «müssen» ja schon beruflich glauben.

Und so freuen sich Christen auf der einen Seite, wenn irgendjemand zum Glauben kommt. Auch, wenn es ein Promi ist. Gleichzeitig werden sie immer wieder von der Sehnsucht getrieben, nicht allein gläubig zu sein. Und da macht es den eigenen Glauben scheinbar relevanter, wenn man bei Prominenten andocken kann: «Ja, ich glaube an Jesus. Aber das tut Xavier Naidoo auch. Und wir wissen beide, wie cool der ist…»

Auch nur Menschen

Genau hier entsteht das Problem. Wer sich mit einem Vorbild verknüpft und weitergibt: «Irgendwie bin ich wie er oder sie», der betont immer das Ideal und nicht den Menschen. Der sucht das Vollkommene und nicht die Normalität. Der kann mit Versagen nur schlecht umgehen. Denn – grosse Überraschung – Xavier Naidoo ist ein Mensch. Wenn er aber zunächst einmal mein Held ist, dann idealisiere ich ihn erst, halte anschliessend trotz gegenteiliger Botschaften an ihm fest, um ihn danach völlig abzulehnen: «Der war nie einer von uns!»

Hilfreicher wäre ein menschlicher Umgang mit solchen Christen. Also natürlich das Freuen darüber, dass jemand wie er mit Jesus leben möchte. Wahrscheinlich wäre es hilfreich, ihn mit seinem Christsein erst einmal weitgehend aus der Öffentlichkeit herauszuhalten und in das zu investieren, was die Bibel Jüngerschaft nennt: Charakterbildung und Wachsen als geistliche Persönlichkeit. Und dann brauchen Menschen wie Xavier Naidoo, wie Sie und ich, andere Menschen, die in unser Leben hineinsprechen dürfen. Die uns sagen, wenn wir uns völlig verrennen.

Das ist keine Garantie, dass im Leben als Christ alles glattläuft. Aber ohne solches Vorgehen ist es fast garantiert, dass das Leben schiefgeht. Siehe oben.

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